Kreativität bei Google und IDEO
Manuel Samstag, 1. März 2008 um 22:18 Uhr
Google ist aus dem täglichen (Internet-) Leben nicht mehr wegzudenken. Die Firma hat sich zu einem riesigen Unternehmen hochgearbeitet und hat dementsprechend viel Personalbedarf.
Aufgrund eines Artikels von Hubertus ist mir die Idee dieses Blogeintrages gekommen. Er schwärmt in höchsten Tönen von Googles Arbeitsbedingungen. Aus der Ferne betrachtet sehe ich dies eher skeptisch. Natürlich sind Vorzüge wie kostenlose Snacks, Mittagessen, Sportanlagen und erlaubte Privattelefonate eine sehr schöne Sache für den Angestellten. Aber identifiziert er sich mit der Firma? Meiner Meinung nach nein, diese Angebote könnte jeder machen und schon ist der nächste Arbeitgeber angesagt, wie z.Z. Facebook. Man müsste sich mehr mit dem Produkt identifizieren. Klar, man schreibt Emails mit Gmail und hat seinen Blog bei Blogger. Aber hat da BMW und Co. nicht bessere Karten? Dort zahlt der Angestellte seine Schokoriegel zwar selbst, bekommt aber jedes halbe Jahr ein nagelneues Auto als Firmenwagen gestellt oder kann zu verdammt günstigen Konditionen leasen. Da man als Mitarbeiter einen Teil zum Produkt beigetragen hat, ist die emotionale Bindung stärker. Diese Mitarbeitermotivation erzielt meiner Meinung nach einen viel höheren Nutzen als kostenlose Snacks. Nebenbei wird auch noch Werbung für BMW gemacht. Btw bei Intel bekommt jeder Mitarbeiter Hardware für den privaten Gebrauch kostenlos.
Versteht mich nicht falsch, ich finde Sportanlagen auf dem Firmengelände eine gute Idee. Damit kann man Mitarbeiter von anderen Konkurrenten abwerben, aber unter Umständen nicht lange binden. Man zieht dann einfach zum nächsten weiter…
Die 20% zeitlicher Freiraum für eigene Projekte ist der größte Vorteil von Google. Wie es wirklich aussieht, weiß ich nicht. Aber wenn jemand nur 80% arbeitet, muss er in dieser Zeit auch 125% Leistung bringen, sonst geht die Rechnung für Google nicht auf. Nichtsdestotrotz, kennt irgendjemand solche Projekte?
Ich persönlich würde in dieser Zeit meiner Kreativität freien Lauf lassen. Wenn aber das einer der Hauptgründe sein sollte, wäre es angebrachter seine Bewerbung zu IDEO zu schicken. Vor einem Jahr durfte ich das Unternehmen näher kennen lernen, im Rahmen eines Manage&More Projektes. Hat man das 5 Stufen Modell einmal angewendet und verstanden, möchte man gar nicht mehr ohne arbeiten. Eine kurze Zusammenfassung des Innovationsprozesses findet man bei Amazon.de:
Erstens Markt, Kunden und Beschränkungen eines Projekts verstehen, zweitens die Menschen beobachten, die damit in Beziehung stehen, drittens wird ein mögliches neues Konzept mit Computersimulation visualisiert, dann werden viertens Prototypen bewertet und vervollkommt, schließlich wird das neue Konzept kommerzialisiert. Klingt alles schrecklich banal, ist es aber offenbar nicht.
Das schwierigste sind die ersten Phasen, da man noch im Dunkeln tappt und nicht weiß, was am Ende rauskommt. Aber keine Angst, der Kundennutzen steht im Mittelpunkt, weshalb auch (fast) nichts schief gehen kann. Jeder, der sich ausführlicher damit beschäftigen will, sollte das Innovationsbuch lesen.
Mein Fazit: Wenn sich jemand kreativ und innovativ im Job betätigen will, ist IDEO der richtige “Arbeitgeber”. Und auch dort gibt es kostenlose Snacks und Getränke
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- 5 Kommentare
Hi Manuel,
klar gibt es auch andere Firmen, in denen die Mitarbeitern viele Freiheiten und Annehmlichkeiten bekommen; bei Apple verhält es sich wahrscheinlich ähnlich. Inwiefern sich der Einzelne mit seinem Arbeitgeber identifizieren kann, ist sicherlich schwierig zu beurteilen. Es liegt ja auch nicht unbedingt an dem Unternehmen, wenn das nicht der Fall ist. Deshalb wird es auch immer eine gewisse Fluktuation geben. Das finde ich aber auch gut. So kommt ab und zu frischer Wind rein…
Gruß,
Hubertus
Also dass die Arbeitsbedingungen bei Google gut sein sollen, habe ich auch schon gehört.
Ich würde mir dann allerdings weniger Gedanken darüber machen, ob jetzt Firmenwagen oder Snacks mehr an die Firma binden. Vielmehr scheint aufgrund der Regelung, in 20% der Arbeitszeit machen zu können, was man will, eher Chaos bei Google zu herrschen.
Natürlich ist jedes Unternehmen anders und braucht andere Umgebungen, aber insbesondere letzteres Problem gibt es bei Apple nicht, weil dort ja eine klare Führung da ist. (Pixar, wovon Steve Job aber auch CEO ist, hat aber teils ähnliche nette Sachen wie Google, wie z. B. einen eigenen Pool etc.)
Hallo Hubertus,
Hallo Raphael,
Klar, da hast du vollkommen recht. Ich wollte aber mit dem Artikel hervor heben, dass es bei anderen Unternehmen auch “Zuckerl” gibt. Google ist damit sicher nicht alleine.
Außerdem unterstützt dieses G-Chaos die Kreativität, das ist das Gute daran:-)
Viele Grüße,
Manuel
Gmail und der Google News Reader waren ursprünglich solche 20%-Projekte.
Apple ist so ziemlich das genaue Gegenteil von Google. Siehe dazu etwa dieser Artikel: http://www.wired.com/techbiz/it/magazine/16-04/bz_apple